Fernsehjournalistin

Datum: 17/03/1997
Publikation: FR  Ressort: FTV
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Importkanal: EASY  Ausgabennr.: 64  Zeilen: 122


 Firma: EASY

  Die Kritik

"Ersatzteillager Mensch" (Hessen- Fernsehen) / "Nervenkrieg am Sterbebett" (ZDF)

Mißlungen - Gelungen

Es gibt Sendungen, an deren Ende man als Zuschauer auch nicht schlauer ist als vorher. Und es gibt Beiträge, die es verstehen, den Zuschauer in ein Thema hineinzuführen, die etwas in Gang setzen beim Betrachter, die zu Nachdenken und Erkenntnisen führen. Hessen-Fernsehen und ZDF präsentierten jetzt mit gleich zwei Sendungen zu den Problemen der Organtransplantation von beidem etwas.

Während der HR mit dem "Stadtgespräch" nicht überzeugte, erbrachte das ZDF dagegen einen erneuten Beweis für die Qualität seiner Reihe "Zündstoff". Während der Titel der HR-Sendung "Ersatzteillager Mensch - Lebensverlängerung um jeden Preis" noch Aufschlußreiches versprochen hatte, ging die Sendung selbst darauf jedoch kaum ein. Das wäre aber die eigentlich spannende Diskussion gewesen: Um welches Menschenbild geht es bei der Organtransplantation? Statt dessen baute Moderator Uwe Günzler gleich eine konzeptionelle Schieflage auf, indem er immer wieder Menschen mit einem neuen Organ über ihr Leben erzählen ließ. Das wäre aber eine andere Sendung gewesen.Denn auch die Kritiker wollen die Organtransplantation, es geht ihnen nur um das Wie. Doch das "Stadtgespräch" fragte nur bekannten Argumente ab, streute ein bißchen persönliche Betroffenheit ein, anstatt nachzuhaken, wo denn eine breite Basis für eine allseits akzeptierte Transplantationsmedizin liegen könnte. Eine stringente Debatte kam deshalb nicht zustande, auch weil stets zwischen Zuschauern und Podium hin- und hergesprungen wurde.

Ganz anders war dagegen der ZDF-Beitrag von Silvia Matthies aufgebaut. Bewußt auf das Wesentliche konzentriert, zeigte er die Emotionen auf beiden Seiten, bei Ärzten und bei Angehörigen, wenn um die Organ-Entnahme gerungen wird.

Und Matthies machte auch deutlich, daß es dabei nicht nur um Nächstenliebe, sondern auch um einen boomenden und milliardenschweren Markt geht, wo Ethik und Monetik dicht beieinanderliegen. Der Filmbericht war deshalb auch ein Plädoyer für mehr Aufrichtigkeit in der Debatte und weckte das Bewußtsein für die Gefahren, die in der Gleichsetzung von Hirntod und Tod liegen können, und für die Folgen, wenn die Idee einer wirklichen freiwilligen Spende so pervertiert wird, daß der Bedarf an Organen die Spielregeln bestimmt.

MICHAEL EMMRICH

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