Fernsehjournalistin
Frankfurter Rundschau
VDatum: 09/07/1998
Publikation: FR Ressort: FTV Seite:
Ausgabennr.: 156 Zeilen: 42
Autor: rbh
Menschen nach Maß: Der Griff nach dem Erbgut
Themenabend in Arte
"Menschen nach Maß", Arte, 20.45 Uhr. Erbbiologie war das Steckenpferd
zahlreicher "Rasseforscher" im Dritten Reich. Mit ihren zumeist haltlosen
pseudowissenschaftlichen Theorien untermauerten sie das SS-Projekt
Lebensborn", das den reinrassigen Arier hervorbringen wollte, und
bestialische Verbrechen wie Mengeles Zwillingsforschungen im Konzentrationslager
Auschwitz. Wenn die Wissenschaft heute darangeht, Menschen zu klonen und massiv
in das menschliche Erbgut einzugreifen, sollte man solche "Experimente" nicht aus
den Augen verlieren.
Im Arte-Themenabend "Menschen nach Maß" wird jedenfalls
gleich im ersten Film von Pierre Mathias, "Rassenwahn und Menschenzucht", an
diese Zusammenhänge erinnert. Die weiteren Beiträge behandeln so brisante Themen wie
"Auslese zum Wunschkind" (Autorin Silvia Matthies), "Der geklonte Mensch" (Christiane
Götz-Sobel) und das boomende "Genetic Business" (Autoren J.-Ph. Desbordes und N. Jacobs). Das Schlußfazit dieser Gesamtschau zum heißdiskutierten Thema Humangenetik zieht Silvia Matthies in dem kurzen TV-Essay "Schöne neueWelt",
der nicht von ungefähr an die Romanfiktion von Aldous Huxley erinnert, in der Politik und Gesellschaft zwar perfekt strukturiert, sprich kontrolliert
sind, aber individuelle Freiheit und Humanität auf der Strecke bleiben.
Die ZDF/BR-Sendung moderiert Martin Schulze, "assistiert" von den Experten
Richard Seed, Genforscher aus Chicago, Noelle Lenoir, Leiterin der
Ethik-Kommission
der Europäischen Union, Linus S. Geisler, Arzt und Internist an der Uni Bonn,
sowie Hermann Barth, evangelischer Moralethiker. rbh
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